Der Aufenthalt in Neuseeland ist fast vorbei. Noch zwei naechte im Camper, und am Montag gegen 8 Uhr geht er zurueck an die Verleihfirma. Dann auf zum Flughafen und weiter auf die Cook Islands.
Die Neuseelaender sind wirklich ein nettes Voelkchen. Das Land ist so gross wie Italien, und es leben ca. 4 Millionen Menschen (also knapp mehr als in Berlin) auf diese Flaeche verteilt. Wobei schon fast die Haelfte davon in drei Staedten (Auckland, Wellington, Christchurch) lebt. Ihr koennt Euch damit vielleicht ein wenig vorstellen, wie duenn besiedelt das Land ist.
Die “Ureinwohner” - Maori - sind zumindest auf dem Papier gut integriert und gleich gestellt. Leider sieht die Realitaet mal wieder anders aus. Sie wurden lange ausgebeudet, Land enteignet (seit ca. 20 Jahren gibt es aber Rueckgaben von Land) usw. Es gibt so gut wie keine Arbeitslosigkeit, aber 15% der maori sind Arbeitslos. Dadurch fehlt den Jugendlichen die Perspektive, sie gruenden Jugendgangs… tja, leider ueberall auf der Welt das selbe. Und die konservativen Politiker hetzen dann lieber gegen Jugendgangs statt was zu unternehmen…
Aber sie sind ein stolzes Volk, ich bin sehr beeindruckt von ihnen. Gestern in einer Fussgaengerzone: es haengen ueberall Luftballons an Laternenmasten. Eine Maori-Familie ist unterwegs und der Vater “klaut” einen der Luftballons und gibt ihn seiner kleinen Tochter. Und wird sofort von einem Ladeninhaber darauf angesprochen. Seine Antwort: das ist mein Land, also kann ich auch die Luftballons nehmen. Fand ich stark.
Am EastCape leben noch sehr viele Maori. Und zwar in Wellblechhuetten oder halb zerfallenen Holzhuetten. Dazwischen noch die Reste der einst so stolzen und grossen “New Zealand Trading Company” - als von den Maori nichts mehr zu holen war, hat sich die Company aufgeloest. Ihre Lagerhaeuser wurden ihrem Schicksal ueberlassen und zerfallen langsam. Die Maori-Siedlungen damit auch.
Und man kommt wirklich an jeder Ecke mit den Menschen ins Gespraech. Sogar hier in der Grossstadt Auckland. Gestern Abend beim Essen eine junge Frau kennengelernt, die schon mal ein paar Wochen in Deutschland war - u.a. in Muenchen auf der Wiesn :-)
In Cafes wird man oft angesprochen wo man herkommt. Wo man schon ueberall in Neuseeland war, was man vom Land haelt usw.
An den baustellen gibt es meist keine Ampeln, sondern an jedem Ende steht einer mit einem Schild “Stop” und auf der Rueckseite “Go”. Solange stop ist kann man wunderbar mit ihnen plaudern. UNd gruessen tun sie einen sowieso immer.
Oder heute beim Busfahren: wir wollten eine Tageskarte, der Busfahrer hatte seinen ersten Tag und keine Ahnung wie er die Verkaufen kann. Also sind wir umsonst gefahren. Dann hat er eine Haltestelle uebersehen, wurde von einer alten Dame darauf aufmerksam gemacht. Hat dann mitten auf der Strasse gehalten, zur Haltestelle gelaufen und die Leute zum Bus eskortiert - und sie alle umsonst mitfahren lassen.
Kurz und knapp: hier ist alles etwas lockerer, und es “menschelt”.
Das Land:
wie schon oft gesagt: sehr aebwecfhslungsreich und landschaftlich ein Traum.
Wenn man genauer hinsieht, sieht man aber auch woher das kommt. Eigentlich waere hier alles voller subtropischem Regenwald und echtem Urwald - den Kauri-Baeumen. Die gruenen Huegel fuer die Schafe und Kuehe kommen nur, weil dort der Regenwald gerodet wurde. Mischwald wurde aufgeforstet… also nichts von wegen unberuehrter Natur. In manchen Teilen natuerlich schon noch. Aber nicht generell. Trotzdem ist die Weite faszinierend. Und es gibt wenig Industrie. Allerdings auch wenig Umweltschutz. Ueberall rosten alte Autos vor sich hin, vieles wird einfach am Strassenrand entsorgt. Muelltrennung ist meist ein Fremdwort.
Dafuer wird sehr auf das bioogische Gleichgewicht geachtet. Denn viele einheimsche Arten sind schon ausgestorben oder sind stark gefaehrdet. Denn Frueher gab es hier als einzige Saegetiere nur Fledermaeuse. Dadurch entstanden flugunfaehige Voegel (am bekanntesten ist der Kiwi-Bird), denn es gab ja keine Feinde auf dem Boden - wozu also fliegen? Durch die Europaeischen Einwanderer kamen Ratten, Katzen, Hunde… die Folge kann man sich vorstellen. In einem Kiwi-Bird/Schutzgebiet hat ein wildernder Hund vor ein paar Jahren innerhalb von einem Wochenende die Haelfte der dort lebenden Kiwi-Birds getoetet…
Der Tourismus hinterlaesst natuerlich auch seine Spuren. Zu den Kaps gehen bisher nur Schotterpisten. Aber Richtung Northcape wird gerade schon der Highway No. 1 ausgebaut.
Viele kleine Wanderwege werden erweitert. Ueberall entstehen kleine Doerfer mit Souvenirshops und Cafes.
An manchen Stellen wurde es den Tieren zu viel. Pinguine trauen sich nicht mehr aus dem Wasser und lassen die Jungen verhungern. Fellrobben verlassen die Kolonien und lassen die Jungen zurueck. Aber zumindest darauf wird reagiert: viele Fellrobben-Kolonien sind jetzt fuer mehrere Jahre Sperrgebiet, damit die Tiere sich wieder ansiedeln.
Wenn ich nach Neuseeland auswandern wuerde, dann nur in eine groessere Stadt. Denn nur dort gibt es zumindest ein wenig Kultur- und Nachtleben. In den kleineren Staedten (naja, z.T. so gross wie Regensburg) bekommt man meist ab 21 Uhr nicht mal mehr was zu essen. Geschweige denn eine Kneipe in der man den Abend ausklingen lassen kann. Oft werden sogar noch frueher die Buergersteige hochgeklappt (teilweise hat ab 18 Uhr nichts mehr offen, ausser den Supermaerkten).
Und so sehr ich es auch manchmal geniesse, voellig in ruhiger Umgebung zu sein. So ist es dann doch zu extrem.
Aber Auckland ist schon etwas anders. Hat ja auch ueber 1 Million Einwohner. Und im Moment feiern sie hier schon mal St. Patricks Day (ist ja eigentlich erst am Montag). Wir haben hier heute schon einen grossen Umzug der Iren gesehen. Mit vielen Bands, Dudelsack-Kapellen und Festwaegen. Und dazu eine tolle Atmosphaere, denn auf irische Sachen stehen die Neuseelaender offenbar total.
So, das wars erstmal mit meinen Eindruecken.
Liebe Gruesse aus Auckland

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