“Wiedereingliederung”… hört sich ein wenig krass an. Schließlich war ich nur ein paar Wochen auf Reisen. Und nicht im Knast. Aber so ganz ohne Spuren verläuft so eine Reise nicht. Und es hat schon ein wenig gedauert, bis ich wieder richtig hier war. Oder bin ich es noch immer nicht? Bzw. was heißt “hier sein”? Und “sein”?

Bevor es jetzt zu philosophisch wird, lieber mal ein paar Sachen die komisch waren:

  • Die Menschen. Und der Umgang. In den ersten Tagen habe ich hier jeden gegrüßt und angelächelt. Im Gegenzug wurde ich meist ignoriert, z.T. mitleidig belächelt, und nur ganz selten kam ein kurzes Gespräch zustande. Inzwischen hab ich es aufgegeben bzw. mich wieder angepasst…
  • Das Wetter. Es war bei weitem nicht immer schön in Neuseeland (auf den Cooks dafür schon fast immer). Aber trotzdem nicht so nasskalt und z.T. winterlich wie hier. Und vor allem, nicht so extrem unterschiedlich. Heute z.B. morgens noch um die 3 Grad. Gegen Mittag dann 19 und Sonne. Jetzt wieder eiskalt. Morgen soll es Regnen. Am Sonntag soll es bis zu 21 Grad warm werden, und am Montag dann Gewitter - irgendwie verrückt, oder?
  • Die Freiheit… klar ist man auch hier irgendwie frei. Zumindest freier als in vielen anderen Ländern. Aber der Alltag und die Pflichten holen einen schneller ein als man denkt.
  • Das Schreiben. Seit ich wieder hier bin, hab ich eine Schreibblockade. Als wäre meine Kreativität noch irgendwo unterwegs. Oder als hätte ich sie auf Rarotonga neben der Hängematte vergessen…
  • Mein Gesundheitszustand. Seit ich zurück bin, bin ich irgendwie durchgehend krank. Mal mehr, mal weniger.

Es gibt aber natürlich auch Sachen, die ich an meiner Heimat vermisst habe. Viele Menschen die mir nahe stehen. Das Essen - vor allem richtiges, gutes Brot. Mein bequemes Bett, meine eigene Dusche und meine eigenen vier Wände.

Das Fernweh lässt sich aber gerade bei jeder Kleinigkeit auslösen. Sei es ein Foto von meiner Reise, ein Bericht über Weltreisende oder ferne Länder, Telefonate mit Leuten die gerade auf Reisen waren oder kurz vor der Abreise stehen… sofort geht das Träumen los (von Patagonien, Island, Irland, Wales, Schottland oder einfach nur wieder nach Spanien - hauptsache weg). Und ich hoffe, dass mir die Träume nie verloren gehen.



4 Responses to “Die “Wiedereingliederung” nach einer Reise”  

  1. 1 Die Katha

    “Wiedereingliederung” klingt echt ein bisschen heftig…, aber ich kann sehr gut verstehen, was du ausdrücken willst.
    Mein Cousin war ein ganzes Jahr in Australien. Er hat sich dort tierisch wohl dort gefühlt (andere Mentalität… ;) und “plant” schon wieder die nächste Reise!

    Lg

  2. 2 seisui

    Oh.. diese Gefühle kenne ich. Ich brauchte sehr lange, um mich wieder im chaotischen Deutschland wieder heimelig zu fühlen nach meinem längeren Japanaufenthalt. Mittlerweile frage ich mich aber, ob ich diese Probleme nicht selber in meinem Kopf produziert habe, denn vor dem Trip habe ich sehr wohl gut hier in diesem Lande leben können.

    Liebe Grüße, seisui!

  3. 3 hutti

    Ja, den Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Ich konnte schon immer gut hier leben. Und kann es jetzt auch wieder.
    Vermutlich liegt es wirklich an einem selbst.
    Es gibt da ein schönes Zitat von Juan Moreno: “Wenn man sein Leben nicht mag, ist nicht Deutschland daran schuld. Woanders hinfahren bringt in dieser Hinsicht nichts, man hat sich selbst ja doch immer dabei.”

  4. 4 seisui

    Das Zitat von Moreno ist wirklich schön!
    Man sollte immer in sich selbst zu hause sein…

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